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Tag 1 / Hike&Hike … und doch noch Fly

Nach dem letztjährigen fulminanten Faulhorn-Trekking waren die Erwartungen an den BGliders-Hike&Fly 2012 hoch. Andreas Fluck hatte damals mit seiner Organisation die Latte hoch gesetzt – selber Schuld! Dementsprechend rasch schneien dieses Jahr die Anmeldungen rein und es entsteht sogar eine Warteliste. Dass sich schlussendlich doch nur zehn kleine Fliegerlein im Poschi auf dem Brünig treffen, ist unterschiedlichen, interessanten Entschuldigungen zu verdanken… so musste auch David ohne einen Plämpu rsp. Sherpa losziehen und seine abgespeckte Solo-Ausrüstung einpacken; was alles sonst noch zu Hause blieb später im Bericht.

Nach obligatem Gruppen-Startfoto auf Käserstatt – die legendären Rüebli wurden anscheinend abgeschafft – ziehen wir gemächlich los. Leider hat Momo die Bedienungsanleitung für ihre neuen Stecken nicht dabei, kann zum Glück aber auf die grossen Erfahrungen einiger Mit-Hiker zählen. Niemand hat Eile, zu viele Wolkenfetzen ziehen noch das Tal hoch.

Bei der ersten Pausenrast nach 300hm Aufstieg machen wir im Nebel Umrisse eines grossen Greifvogels aus… ein kurzes Sichtfenster ins Tal und David ist nicht  mehr zu halten. Er packt aus und ist startbereit. Wir diskutieren mit welchen akustischen Nebelflug-Warnsignalen er sich mit uns verständigen könnte. Dominik hat erbarmen und leiht dem Piloten seine Jacke, welcher beim optimieren der Ausrüstung wirklich ganz auf „leicht“ gemacht hat. Dies wurde auch augenblicklich nach seinem Start ersichtlich – mit weit gespreizten Beinen baumelt der Rossi im Sitz. Erinnerungen an Bilder aus meiner Schulungszeit in den 80er Jahren werden wach, als das Gurtzeug seinem Namen noch gerecht wurde und niemand von Liegesitzen träumte – die damaligen Hodenklemmer verlangten nach guter Startvorbereitung (Links- oder Rechtsträger?), damit der kurze Flug nicht zur Qual wurde. Aber was war der Grund für die einschneidende Erfahrung Davids? Wir kommen gleich zur Erkenntnis: Ein Impress(1)-GZ sollte nicht ohne Beinsack und Sitzbrett geflogen werden.

Nach zehnminütigem Leiden – die Wolken reissen nicht auf – landet unser Held mit leicht verzerrtem Gesicht (und etwas erhöhter Stimme?!) wieder rein.

Weiter geht‘s in Stockenten-Manier (zu neudeutsch im „Nordic-Walking-Style“) und wir erreichen unser höchst gelegenes Tagesziel, den Hochstollen auf 2480 m.ü.M..

Die meisten von uns fühlen sich gut, verschwitzt, feuchtfröhlich und verewigen sich im Gipfelbuch. Die Startchancen stehen 50/50 meinen Experten. Abwarten und….

„Tichu“ spielen wird vorgeschlagen. Es wird diskutiert, ob die Basler in dieses hochkomplexe Strategiespiel eingeführt werden sollen. Der Blick über das Wolkenmeer ist fantastisch, aber irgendwie ist es nicht genau das was wir uns wünschen.

Alle Varianten von Panorama-Fotografie-Techniken kommen zum Zug (von Schwenk- bis Maschinengewehr-) und wir geniessen die wärmenden Sonnenstrahlen. Bei jeglichen Pausen immer wieder dieselbe Frage: Wo ist Tim?

Als sich die Talsicht nach über 1.5-stündigem Warten nicht verbessert, beschliessen wir den Aufbruch zum tiefer gelegenen Startplatz Abgschütz. Auch dort meinen wir uns im herbstlichen Mittelland… heisst „vollkrasser Nebel“. Weiter geht‘s und Andreas bereitet uns seelisch auf „interessante, technische Abstiegs-Passagen“ vor. Nicht ganz einfach, mit bis zu 20 kg Gepäck am Buckel feuchte Schiefergestein-Couloirs hinunter zu stiefeln.

Bald schon kullert unsere Dame, geschoben von ihrer Rückenlast, übers nächste Weglein hinaus und landet – vom Adrenalinschub beduselt – laut lachend auf der rechten Gesichtshälfte. Jakob rettet. Wo ist Tim?

Unsere Oberschenkel beginnen zu brennen. An den steilen Hängen, sind wir froh, uns nun an Ketten halten zu können und wünschen uns die Erlösung durch einen Gleitflug. Endlich: auf dem Chringengrätli lassen wir unseren Dummy raus, er soll auch vorsondieren, ob am Landeplatz noch scharf geschossen wird. Alle umfliegen, möglichst nahe am Gelände den Seefeldstock, gleiten mehr oder weniger knapp über eine kleine Alp zu unserem Ziel, der Aelggi-Alp. Selten schätzte ich in den letzten Jahren einen 7-minütigen Gleitflug so sehr wie diesen! Ein strahlender Baern-Glider empfängt uns mit Landebier und wunderschönes Herbst-Abendlicht verwandelt die Alp in Postkartenkitsch.

Ausgelassen lümmeln wir auf auf der Landewiese herum und labern dummes Zeug. Wo ist Tim?

Dass uns nach dem währschaften Nachtessen auch noch eine (warme!) Dusche erwartet, haben wir nicht erwartet. Einer unserer Leichtgewichts-Freaks zeigt uns, dass man nicht einmal ein Frottiertuch dabei haben muss, wenn man die frisch gewaschenen Haare auch mit den getragenen Unterhosen trocknen kann – interessant (Name der Red. bekannt).

Per Handy schliesst sich Andreas noch kurz kurz mit Urs Haari, der heute Abend auf der Wandelen (unserem morgigen Flugberg) biwakiert… brrr. MoMos Angebot an Urs, eine „ihrer Nachbarmatratzen sei noch frei, falls es zu frisch wird auf dem Berg“, will Andreas nicht weiterleiten. Urs ist nicht allein dort oben 😉

Massenlager-Nächte haben es ja so in sich: Diverse Körpergerüche oder -geräusche machen es einem normalerweise schwer, den Schlaf zu finden. In besagter Nacht ist alles anders: Ich wache mehrmals auf und höre rein gar nix! Es ist soo leise, dass ich mir Sorgen mache, ob die anderen wohl schon los gezogen sind. Zum Glück meldet sich aber plötzlich aus dem Dunkeln eine Message: „Siri ist im Moment nicht verfügbar!“ – hat sich da wohl jemand vor lauter Einsamkeit erhofft, dass sich Siri sich neben ihn legen würde? Wo ist Tim?

Tag 2 /  Hike&Fly²

Nach überdurchschnittlich viel Schlaf auf 2.6 Matratzen pro TeilnehmerIn gestaltet sich das Aufstehen problemlos – erst recht bei einem Blick an den blauen Morgenhimmel. Nach einem Kurzbesuch des Mittelpunktes der Schweiz,  wissen wir nun, dass es auch halbe Schweizer des Jahres gibt.

Wir geniessen das reichhaltige Frühstück und bestaunen durchs Fenster die neuesten Yoga-Moves einer Exhibitionistin vor der Unterkunft. Wo ist Tim? Heute werden wir von Herrn Fluck auf Schweizerdeutsch gebrieft. Unglaublich: Auf nervige Teilnehmerfragen zückt dieser Google-Earth-Maps vom Landeplatz aus dem Ärmel, Listen mit Höhenangaben und unsere gemittelten voraussichtlichen Herzfrequenz-Daten für den Aufstieg. Er kann jede Frage beantworten; das macht fast schon Angst.

Ein nervöser Basler hat Bewegungsdrang und will endlich losziehen.

Die frische Luft und das Hammer-Wetter machen Laune und wir holen am Berg den Gefreiten im Vierfrucht-Pyjama und seine (scheinbar ganz normale) weibliche Begleitung locker ein. Kurz vor dem Gipfel klagen Diverse, wo‘s überall schürft und weh tut und es wird deutlich, dass heute gar niemand mehr Lust hat auf irgend einen Abstieg zu Fuss. Wo ist Tim?

Nach 460hm erreichen wir die wunderschöne Graspyramide der Wandelen auf 2104 m.ü.M. Startplätze in alle erdenklichen Richtungen lassen hoffen. Verpflegt, ausgeruht und Blase geleert… es kann losgehen.

Christian und David machen es vor und überhöhen den Gipfel innert Kürze. Ich versuche es ihnen gleich zu tun, kratze dynamisch am Hang, saufe und saufe immer tiefer… die Hälse der oben Gebliebenen werden deutlich länger – sie haben mich schon abgeschrieben. So traut sich nach meinen Tauchern auch kaum jemand raus. Am Arnigrat Richtung NE finde ich mit viel Geduld den ersehnten Auftrieb und lasse ihn mir nicht so rasch wieder nehmen. David macht sich auf eine (für ihn 😉 kleine Strecke Richtung Melchsee-Frutt retour und Christian landet top um die ewig Wartenden etwas anzutreiben. Bald sind alle in der Luft und geniessen das herrliche Panorama aus der Vogelperspektive. Auch ich habe nach etwas über zwei Stunden genug und lande zufrieden bei beim illustren Grüpplein in Edisried bei Sachseln. Welch ein Tag!

Ja wasssdenn, und nun noch über einen Kilometer zu Fuss bis zum Bahnhof schlurfen?! Am Bahnhof angelangt wecken wir den sichtlich müden auf uns wartenden Landstreicher Silvio auf der Parkbank und lassen uns in der schönen Gartenbeiz nieder. Üppige Coupes, Weissbiere und Panachées helfen uns, alle Mühen zu vergessen – manche konsumieren diese ohne schlechtes Gewissen wild durcheinander.

Es tauchen Fragen auf: Was sind die nächsten Pläne von unserem Super-Organisator Andreas? Können wir uns schon heute einschreiben?! Sollen die Basler ein weiteres „B“ im Namen der BG‘s beantragen (immerhin 30% an diesem Weekend!… neben Tsürchern und Südafrikanern)? Wer kennt die Buchreihe „Wo ist Walter rsp. Tim?“? Wie kreativ wird David bei der nächstjährigen Ausrüstungsgewichts-Optimierung sein?

Wie kommen wir nach Hause?  :o(

Da letzte Frage nicht wirklich geklärt wird, bricht beim Umsteigen in Hergiswil die Gruppe unverhofft auseinander. So gibt‘s wenigstens beim Abschied keine Tränen. Müde und zufrieden erkennt nun sogar Christian gewisse Annehmlichkeiten beim Zugfahren. Gratulation zur Einweihung deines ersten Halbtax-Abos!

Leute, es war ein super Wochenende. Vielen herzlichen Dank an Andreas Fluck für die Top Organisation. Wir freuen uns auf die Ausgabe 2013!

2 thoughts to “Paratrekking (B)BG‘s 15./16. September 2012

  • David

    Lieber Dani
    Herzlichen Dank für diesen schönen Beitrag!
    Ich freue mich, auf das nächste H & F!
    LG, David

    Antworten
  • MoMo

    Hee Buebe – es war super!

    Antworten

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